Rigoletto bei den Bregenzer Festspielen 2019

2019 präsentiert das Spiel auf dem See während der Bregenzer Festspiele Verdis Oper Rigoletto in drei Akten. Die Seebühne ist für ihre spektakulären Bühnenbilder mittlerweile bekannt, die fast schon zu einem weiteren Wahrzeichen der Stadt geworden sind. Auch dieses Jahr werden die Besucher nicht enttäuscht. Über dem Bodensee ragt ein immens großer Clownskopf aus dem Wasser, der links von einer ebenso großen Hand und rechts von einem riesigen Ballon flankiert wird. Der Kopf hat eine unvorstellbare Dimension und misst an die 14 Meter. Die Darsteller auf der Bühne wirken daneben wie Spielfigürchen.

Der Narrenkopf, der die Hauptfigur der Oper Rigoletto in übermenschlicher Größe symbolisiert, ist in sämtlichen Details beweglich. Die Finger der Hand können sich einzeln bewegen, der Mund lässt sich öffnen. So wandelt sich der Kopf je nach Situation in eine hässlich grinsende Fratze oder in eine verzweifelte Miene. Durch diese Details wird die Kulisse unheimlich lebendig und die vielfältigen Emotionen der Oper spiegeln sich nicht nur in ihrer Musik wieder sondern auch in der Gestik und Mimik des überdimensionalen Narrenkopfs.

Auch weitere Elemente der Oper werden durch das imposante Bühnenbild wiedergespiegelt. Im Laufe der Oper wird Rigoletto von einem glücklichen zu einem gebrochenen Mann, dem sprichwörtlich durch die Geschehnisse der Boden unter den Füßen entzogen wird. Im Laufe des Stücks bricht auch der Boden der Kulisse immer weiter auseinander und spiegelt somit Rigolettos Zerbrochenheit auch visuell wieder.

Durch ein einzigartiges Soundsystem hat der Zuschauer das Gefühl, dass er nicht nur als bloßer Zuschauer fungiert, sondern sich mitten im Geschehen befindet. Der Schall wird den Zuschauern nämlich nicht einfach nur frontal entgegengebracht, sondern richtungsbasiert. Das heißt, wenn ein Sänger links auf der Bühne steht, ertönt das Lied auch von links. Bewegt sich ein Singender von rechts nach links über die Bühne, wird diese Bewegung auch akustisch verfolgt und wiedergegeben. Dieses sogenannte Richtungshören ist vergleichbar mit einem Lichtkegel, der einen Darsteller verfolgt. Das ausgefeilte Soundsystem kann auch fernes Donnergrollen ebenso heraufbeschwören wie richtige Donnerschläge, die so echt klingen als würde ein heftiges Gewitter über dem Bodensee toben.

Mit der Darbietung von Rigoletto auf der Bregenzer Seebühne ist eine moderne Inszenierung gelungen, die stimmungsgeladener und abwechslungsreicher nicht hätte sein können. Alles beginnt mit einem rauschenden Fest am Hofe des Herzogs. Die Festgesellschaft tanzt und hüpft ausgelassen um den Narrenkopf. Die Stimmung ist fröhlich und voller Freude gepaart mit akrobatischen Einlagen in teils schwindelerregender Höhe. Trotz der düsteren und traurigen Geschichte hat Fröhlichkeit Platz, die sich auch in den bunten und schillernden Kostümen wiederspiegelt. Ganz allmählich kippt die Stimmung. Verwünschungen werden ausgesprochen und arglistige Pläne geschmiedet. Es folgt eine waghalsige Entführung und eine sturmdurchtriebene Nacht. Freude, Spannung, Entsetzen und Betroffenheit wechseln sich gekonnt ab und lassen die zwei Stunden, die das Stück ungefähr dauert, wie im Fluge vergehen.

Darum geht es in Verdis Rigoletto (Achtung Spoiler)

Guiseppe Verdi hat die Oper Rigoletto 1851 geschrieben, im selben Jahr wurde sie in Venedig uraufgeführt. Verdis Ruhm und weltweite Berühmtheit sind auf diese Oper zurückzuführen, die als sein erstes Meisterstück gilt und trotz der brisanten Thematik bereits im ersten Jahr sehr erfolgreich war. Die Oper umfasst drei Akte.

Die Oper beginnt mit einem Ball am Hofe des Herzogs von Mantua. Der Herzog erzählt, dass es in der Kirche ein unbekanntes Mädchen gibt, da er begehrt. Er ist ein wahrer Frauenverführer und macht weder vor den Ehefrauen noch vor den Töchtern seiner Untertanen Halt, die seinen Avancen nicht widerstehen können. Sein Hofnarr macht sich über die gehörnten Ehemänner und Väter lustig und verspottet diese lauthals. Für die Verspottungen schwören die Untertanen Rache an Rigoletto, außerdem wird er von einem Vater, dessen Tochter durch den Herzog entehrt wurde, verflucht.

Wegen des Fluchs ist Rigoletto beunruhigt. Er will so schnell wie möglich nach Hause, um sicherzugehen, dass es seiner Tochter Gilda gut geht. Auf dem Heimweg trifft er in einer dunklen Gasse den Mörder Sparafucile. Dieser bietet ihm Hilfe an, die Rigoletto jedoch ablehnt. Allerdings erkundigt er sich, wo er Sparafucile finden könne. Zuhause wartet Gilda auf ihn, die ihn nach ihrer Herkunft befragt, aber Rigoletto verweigert ihr jegliche Auskunft. Er schärft ihr nur ein, dass sie mit Ausnahme des Kirchgangs das Haus nie verlassen darf und auch ja die Türen geschlossen halten werden müssen. Daraufhin macht sich Rigoletto wieder auf den Weg zurück in den Palast.

In der Zwischenzeit ist dem Herzog gelungen, unbemerkt in Rigolettos Haus zu gelangen. Er kennt, dass das unbekannte Mädchen aus der Kirche in Wahrheit Rigolettos Tochter ist. Der Herzog stellt sich Gilda vor und erzählt ihr, wie verliebt er in sie ist. Dann erfolgt eine waghalsige Entführung Gildas. Rigoletto kehrt abermals unruhig zurück zu seinem Haus. Als er Gilda dort nicht vorfindet, kommt ihm der Fluch wieder in den Sinn und er eilt zurück zum Palast des Herzogs.

Der zweite Akt spielt im Palast des Herzogs. Der Herzog vergnügt sich mit Gilda im Schlafzimmer, während Rigoletto am Hofe ankommt und nach dem Schicksal seiner Tochter fragt. Die Höflinge verweigern ihm jedoch die Auskunft, was einen Wutausbruch Rigolettos zur Folge hat. Schließlich taucht Gilda aus dem Schlafzimmer des Herzogs auf. Als Rigoletto klar wird, dass der Herzog seine Tochter verführt und sich diese in ihn verliebt hat, schwört er auf Rache am Herzog.

Der dritte Akt spielt sich dreißig Tage später ab. Rigoletto will seiner Tochter beweisen, dass der Herzog zu keiner wahren Liebe fähig ist, sondern nur mit den Mädchen spielt, in der Hoffnung, dass Gildas Liebe zum Herzog verblasst. Um seinen Plan in die Tat umzusetzen, führt er sie in Sparafuciles Schenke, wo dich der verkleidete Herzog an Sparafuciles Schwester heranmacht. Auf Geheiß Rigolettos hin soll sich seine Tochter als Mann verkleidet auf den Weg nach Verona machen. Außerdem beauftragt Rigoletto Sparafucile den Herzog zu ermorden. Seine Leiche soll ihm in einem Sack übergeben werden.

Als Sparafuile seinen Auftrag erfüllen möchte, bittet seine Schwester aber den Herzog am Leben zu lassen. Schließlich willigt Sparafuile ein und tötet stattdessen den nächsten Mann, der seine Schenke betritt. Bei dem Opfer handelt es sich um die als Mann verkleidete Gilda, die das Gespräch zwischen Sparafucile und seiner Schwester belauscht hat und ihr Leben für den Herzog opfern will. Während der Ermordung tobt draußen ein gewaltiges Gewitter.

Rigoletto kommt, um den Sack mit der Leiche zu holen. Er denkt, dass sein Racheplan aufgegangen ist, doch da ertönt die Stimme des Herzogs, der ein Lied schmettert. Verwirrt öffnet Rigoletto den Sack und erblickt seine Tochter, die in seinen Armen stirbt.